Einen Überblick über den Inhalt der DVD gibt Ihnen wie gewohnt Karsten Müller im Einleitungsvideo. Lassen Sie sich vom Hamburger Großmeister schon einmal ein Highlight dieser Ausgabe vorführen oder schnuppern Sie in den einen oder anderen Eröffnungsartikel rein, z.B. in Kuzmins Analyse einer neuen, scharfen Waffe gegen den Najdorf-Sizilianer (Weiß spielt 6.h3 gefolgt von g4 und schneller Rochade). Oder in das "Verbesserte Lisitsin-Gambit" - noch nie gehört? Auf Schach.de aber auch im Turnierschach ist das als Überraschungswaffe gegen Holländisch sicherlich eine gute Wahl.
Der in Hamburg lebende rumänische Großmeister Dorian Rogozenco fasst die wichtigen Ereignisse der vergangnen zwei Monate in zwei Fritztrainer-Videos zusammen. Im ersten Clip erläutert er u.a. die Schlussrundenpartie Karjakin - Radjabov aus Sotschi, in der der junge Mann aus Aserbaidschan mit einer Neuerung im Drachen und einem spektakulären doppelten Qualitätsopfer erfolgreich war. Vom Tal-Memorial nimmt Rogozenco die entscheidenden Momente in den Partien Morozevich - Kramnik sowie Morozevich - Ponomariov unter die Lupe und wirft einen Blick auf die Turnier entscheidende Partie Ivanchuk - Morozevich.
Vom Turnier in Bilbao kommentiert Rogozenco ausführlich zwei Glanzpartien des Turniersiegers, die prestigeträchtige Partie Topalov - Anand, die der Bulgare dank einer Neuerung im Dameninder in nur 25 Zügen gewinnen konnte, und die Schlussrundenbegegnung Topalov - Ivanchuk. Ebenfalls im Video erläutert werden die kritischen Stellungen in den turbulenten Drachenpartien Carlsen - Radjabov und Topalov - Carlsen, die beide aufgrund von Ungenauigkeiten seitens des Nachziehenden mit weißen Siegen beendet wurden.
Bevor es an die Turnierhighlights dieser Ausgabe geht, sollten Sie sich zwei weitere Starpartien nicht entgehen lassen. Zum einen hat Magnus Carlsen seinen Schwarzsieg gegen Yannick Pelletier vom Turnier in Biel kommentiert. Die Partie verlief in der Eröffnung ohne große Aufreger, aber dann übersah der Schweizer, dem es dieses Jahr in Biel gar nicht gut erging, in der Diagrammstellung einen taktischen Kniff. Carlsens 27...Lc8 fesselt unangenehm den exponierten Springer auf f5 und verschafft dem jungen Norweger mittelfristig entscheidenden Vorteil. Pelletier war womöglich entgangen, dass 28.Sxh6+ gxh6 29.Lxc8 am trockenen Zwischenzug 29...Td6 scheitert. Klicken Sie hier oder auf den Link unter dem Diagramm, um die ganze Partie mit Magnus Carlsens Analysen nachzuspielen. Alle Partien von Biel 2008 finden Sie über Aktuelle Turniere in der Linkleiste.
Pelletier,Y - Carlsen,M Stellung nach 27.Db6
Michael Adams gewann bereits mit 17 Jahren erstmals den Titel des Britischen Meisters. 1997 errang Adams mit dem Erreichen des Kandidatenfinale der FIDE-WM gegen Anand seinen vielleicht größten schachlichen Erfolg. Derzeit ist der inzwischen 37-Jährige vor Nigel Short der stärkste Schachspieler von der Insel. Auf dieser DVD kommentiert der englische Spitzenspieler nun zum ersten Mal für ChessBase Magazin. Vom Staunton-Memorial (London), das Adams kürzlich vor Loek van Wely und Jan Smeets souverän gewinnen konnte, nimmt er eine seiner Gewinnpartien unter die Lupe.
Smeets,J - Adams,M Stellung vor 16...Dc2+
In der für den Turniersieg entscheidenden Partie wagte es Jan Smeets, gegen den Engländer Schottisch zu spielen und wurde prompt in seine Schranken verwiesen. Adams kommentiert diese sehenswerte Partie ausführlich und räumt in seiner Analyse ein, dass der unorthodoxe Damentausch (s. Diagramm, 16...Dc2+ nebst Springergabel auf d4) bei akkurater Erwiderung von Weiß keineswegs zu einem Vorteil gereicht hätte. Smeets entschloss sich in der Schlüsselstellung nach 17.Kxc2 Sd4+ allerdings zum Vormarsch des Königs ins Zentrum - eine sehr menschliche Fehlentscheidung, wie Adams in seinem Kommentar andeutet. Denn dort erging es dem vereinsamten weißen Monarchen schon bald richtig schlecht. Diese und alle weiteren Partien vom Staunton-Memorial finden Sie ebenfalls links in der Rubrik Alle Turniere.
Zu den neuen Starautoren von ChessBase Magazin gehört mit dieser Ausgabe auch der Turniersieger des 2. FIDE Grand-Prixs dieses Jahres, Levon Aronian. Seine Schlussrundenpartie gegen Grischuk kommentiert der sympathische Armenier auf der DVD sowohl in klassischer Form als auch im Fritztrainer-Format. Als wegweisend für den Gewinn dieser Partie, mit der Aronian sich den ungeteilten Turniersieg sicherte, erwies sich die starke Neuerung 19.Lc5. Kurios: Wie Aronian in seiner Videoanalyse ausführt, fand er diese Verbesserung des weißen Spiels am Brett und - wie er sagt - in Unkenntnis der Partie Topalov - Kramnik aus dessen WM-Match im Jahr 2006. Klicken Sie auf den Videoscreenshot rechts, um Aronians Präsentation zu starten.
Levon Aronian
Lubomir Ftacnik kommentiert Jakovenko - Gashimov
Benoni ist ein seltener Gast im Spitzenschach. Aber mit neuen Gesichtern kehren mitunter auch altbekannte Eröffnungen zurück. Die Partie Jakovenko - Gashimov aus Sotschi ist ein Beispiel hierfür und bietet zudem eine instruktive Anleitung, wie man mit den weißen Steinen gegen Benoni spielen sollte. Der slowakische GM Lubomir Ftacnik erklärt die Partie ausführlich im Fritztrainer-Format (nur in englischer Sprache). Er geht dabei auch auf Grundideen und -probleme der Eröffnung ein und führt vor, wie Jakovenko sein Spiel durch noch konsequenteren Durchbruch im Zentrum und in der Schlussphase durch stärkere Kontrolle über das Schlüsselfeld e5 hätte optimieren können.
Mit dem Turniersieg in Moskau hatte Alexei Shirov dieses Jahr wahrlich nichts zu tun. Zu Beginn seines Videobeitrag auf der DVD blickt er aus seiner Sicht auf die Ereignisse zurück - dabei hat es fast den Anschein als sei er nach seinem miserablen Start am Ende über das Ergebnis von -3 noch erleichtert gewesen. Bevor er sich seiner einzigen Gewinnpartie von Moskau zuwendet, geht Shirov auf seine noch ganz junge Partie gegen Rublevski von der Spanischen Mannschaftsmeisterschaft ein, die er ebenfalls mit den weißen Steinen in der Sizilianischen Paulsen-Variante gewinnen konnte. In der Moskauer Partie gegen Mamedyarov erlangte Shirov durch ein Qualitätsopfer auf f6 starke Initiative. In seiner Videoanalyse erläutert der Wahlspanier unter anderem, wie er sich in der Eröffnung klaren Vorteil entgehen ließ und sein Gegner direkt vor dem Partie entscheidenden Opfer einen sicheren Remisweg ausließ.
Shirov - Mamedyarov im Fritztrainer-Format
Mamedyarov,S - Gelfand,B Stellung nach 18.Se2
Boris Gelfand gehört mit nunmehr 40 Jahren sozusagen zur alten Garde im großen Schachzirkus. In Moskau stellte er einmal mehr unter Beweis, dass er zu den stetigsten Spielern im Spitzenschach gehört: acht seiner neun Partien endeten mit einem Remis, und die verbleibende gewann er mit Schwarz gegen Mamedyarov. Diese Partie, die zur besten Partie des Turniers gekürt wurde, hat der in Israel lebende Weißrusse ausführlich kommentiert. Mamedyarov wählte in der populären Anti-Moskauer-Variante des Halbslawen mit 10.e5 eine seltenere Fortsetzung und spielte die nächsten acht Züge trotz zunehmend komplexer Stellung sehr schnell. Zu schnell, so lautet das Fazit von Gelfands Analyse, denn nach dem natürlich wirkenden 18.Se2 sollte Schwarz bereits das bessere Spiel haben. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm und lassen Sie sich diese Glanzpartie von Gelfand persönlich Zug für Zug erklären.
Für Veselin Topalov muss das Grand-Slam Finale in Bilbao gleich in mehrfacher Hinsicht eine Genugtuung gewesen sein. Nicht nur, weil er das Turnier mit deutlichem Abstand gewinnen konnte, sondern auch weil ihm dabei gleich eine Reihe spektakulärer Partien gelang. Und neben dem üppigen Preisgeld bescherte Topalov der Schlussrundensieg über Ivanchuk auch noch die Führung in der hart umkämpften, inoffiziellen FIDE-Weltrangliste. Topalovs Gewinnpartien gegen Anand (Runde 4) und gegen Carlsen (Runde 8) gehören zu den Glanzpunkten dieses Turniers. GM Evgeny Postny und GM Dorian Rogozenco haben sie ausführlich kommentiert (s. auch Rogozencos zweites Einleitungsvideo zu dieser DVD).
Topalov,V - Anand,V Stellung nach 12.Lg5
Seit über zwei Jahren wird im Dameninder das weiße Bauernopfer 7.d5 diskutiert. Gegen Anand, der diese scharfe Variante gerade erst gegen Carlsen in Mainz auf dem Brett hatte, wählte Topalov mit dem stillen 11.a3 eine bislang selten gespielte Fortsetzung und neuerte dann stark mit 12.Lg5. Die Idee dieses Zuges besteht darin, den schwarzen Springer auf f6 abzutauschen, bevor Schwarz den anderen Springer nach d7 entwickeln kann. So kam es auch in der Partie. Anand erwiderte offensiv mit 12...d5 und ließ damit den nachfolgenden Komplikationen freien Lauf. Evgeny Postny kommt in seiner Analyse der Eröffnungsphase zu dem Fazit, dass Weiß nach Rückgewinn des Bauern im 18. Zug zwar über die Initiative, Schwarz jedoch über ausreichend Verteidigungsressourcen verfügt. In Bilbao besaß Topalov freilich den großen Vorteil der häuslichen Analyse und konnte die Partie nach einer Ungenauigkeit Anands in sehenswertem Angriffsstil in gerade einmal 25 Zügen für sich entscheiden.
Der Sieger von Bilbao stand im Prinzip bereits nach Runde 8 fest, als Topalov zum zweiten Mal gegen Magnus Carlsen den vollen Punkt einstrich. Der norwegische Superstar vertraute in dieser Partie gegen 1.e4 einmal mehr auf die Sizilianische Drachenvariante. Dorian Rogozenco gehört zu den weltweit führenden Drachenexperten und kommentiert diese Partie vor dem Hintergrund der seit diesem Jahr wieder völlig neu entbrannten Diskussion. In der Partie brachte Carlsen in der aktuell kritischen Variante mit 16...Tc5 und dem gewieften Königszug 17...Kh7 eine starke Neuerung. Der entscheidende Moment in der Partie folgte ein paar Züge darauf, als der junge Norweger in ausgeglichener Stellung anstelle des sicheren 23...Tc8 das ambitioniertere 23...Tc6 wählte. Klicken Sie hier oder auf den Link rechts, um die Partien mit den Erläuterungen von GM Rogozenco nachzuspielen.
Topalov,V - Carlsen,M
Weitere Trainingslektionen warten in den verschiedenen Rubriken auf Sie. Nigel Davies (Sizilianisch mit 2.f4 d5) und Lubomir Ftacnik (Slawisch 3.Sf3 Sf6 4.e3 Lg4 5.h3 Lxf3 6.Dxf3) haben jeweils einen Eröffnungsbeitrag als Video aufgenommen, siehe Kolumne Fritztrainer. Ebenso im Fritztrainer-Format liegen Dr. Karsten Müllers Endspiele, die Falle von Rainer Knaak und Taktik von Oliver Reeh vor (siehe die Linkleiste am Anfang dieser Seite). Die Kolumne Neuheiten bietet Ihnen mit weiteren Videosequenzen im Chess Media Format vorab Einblicke in kommende Fritztrainer-DVDs von ChessBase.
Eröffnungs-Übersichten
Hazai/Lukacs: Anti-Holländisch A04
1.Sf3 f5 2.d3
Dieses verbesserte Lisitsin-Variante genannte Eröffnungssystem ist für den Schwarzen überraschend unangenehm. Die Autoren zeigen, dass eigentlich nur das selten gespielte 2…Sc6 ausgleichen kann.
Marin: Englisch A10
1.c4 g6 2.e4 e5
Stohl: Anti-Grünfeld A16
1.Sf3 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.h4
Marin: Holländisch A89
1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.Sf3 Lg7 5.0-0 0-0 6.c4 d6 7.Sc3 Sc6 8.d5 Se5 9.Sxe5 dxe5 10.Db3
Kuzmin: Sizilianisch B90
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.h3
Langrock: Französisch C03
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 Le7 4.Sgf3 Sf6
Kritz: Spanisch C67
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.0-0 Sxe4 5.d4 Sd6 6.Lxc6 dxc6 7.dxe5 Sf5 8.Dxd8+ Kxd8 9.Sc3 Ke8 10.h3 Le7
Ftacnik: Slawisch D11
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3 Lg4 5.h3 Lxf3 6.Dxf3 e6 7.Sc3 Sbd7
Krasenkow: Grünfeld-Indisch D91
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Sf3 Lg7 5.Lg5 Se4 6.cxd5 Sxg5 7.Sxg5 e6
Grivas: Damenindisch E15
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.Db3
Karolyi: Damenindisch E15
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 La6 5.b3 Lb4+ 6.Ld2 Le7 7.Lg2 c6 8.Lc3 d5 9.Se5 Sfd7 10.Sxd7 Sxd7 11.Sd2 f5 12.0-0 0-0
Postny: Nimzoindisch E25
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.f3 d5 5.a3 Lxc3+ 6.bxc3 c5 7.cxd5 Sxd5 8.dxc5 Da5 9.e4
Breutigam: Königsindisch E61
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.Sf3 d6 5.Lg5 0-0 6.e3