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ChessBase Magazin 124

Sotschi, Baku, Plovdiv, Sofia - in den vergangenen Monaten hielt sich der große Schachzirkus noch mehr oder weniger fernab im Osten auf. Von den vier Highlights dieser Ausgabe wurden zwei als klassische Rundenturniere ausgetragen - der FIDE-Grand-Prix in Baku und das M-Tel in Sofia. Bei den anderen beiden Highlights handelt es sich um Meisterschaften, zum einen die Europäische Einzelmeisterschaft und zum anderen die Russische Mannschaftsmeisterschaft.

 

Während der Kreis der Akteure und potentiellen Sieger auf den großen Rundenturnieren gewöhnlich eher konstant und überschaubar ist, machte der FIDE-Grand-Prix in Baku bereits durch die Nominierung von Vugar Gashimov und Wang Yue eine Ausnahme. Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet diese beiden Spieler das Feld der Etablierten (fast) vollständig beherrschen und am Ende gemeinsam mit Magnus Carlsen den Sieg einfahren würden? Co-Sieger Vugar Gashimov hat für diese Ausgabe von ChessBase Magazin zwei seiner Glanzpartien aus Baku kommentiert.

Das M-Tel in Sofia hätte wie in den Vorjahren Veselin Topalov als Sieger sehen müssen, wenn das Turnier denn normal verlaufen wäre. Doch Vassily Ivanchuk überraschte alle und legte in der Hinrunde mit 5 aus 5 eine Siegesserie hin, die man auf diesem Niveau lange nicht gesehen hat, und brachte seinen Vorsprung in der Rückrunde souverän vor Topalov nach Hause. Als Highlight hat Radjabov seine Partie gegen Bu Xiangzhi, die zur schönsten des Turniers gekürt wurde.

Der Europäischen Einzelmeisterschaft fehlen hingegen schon seit einigen Jahren die ganz großen Namen. Dafür ist die Zahl der Großmeister im Teilnehmerfeld fast schon erschlagend, 177 GMs mit einer ELO-Zahl von 2500 oder mehr gingen in Plovdiv an den Start. Dem Sieger Sergei Tiviakov gebührt ein Kompliment dafür, sich auch in der letzten Runde aufs Schach konzentriert und nicht nach dem Ticket für den FIDE-World-Cup geschielt zu haben, für das auch ein Remis ausgereicht hätte. Zwei seiner Gewinnpartien hat der neue Europameister ausführlich kommentiert, darunter seinen lehrreichen Schlussrundensieg über Sutovsky. Zudem erläutert auch der neue Vize-Europameister Sergei Movsesian zwei seiner Partien aus Plovdiv auf dieser DVD.

Der Hamburger Großmeister Karsten Müller gibt Ihnen in seinem Einleitungsvideo einen Überblick über die Trainingsangebote auf dieser DVD und stellt Ihnen ein paar Highlights schon einmal in Kürze vor, z.B. Sergei Tiviakovs mustergültigen Schlussrundensieg mit Sizilianisch Alapin bei der EM über Emil Sutovsky oder die beiden Repertoirevorschläge gegen 1.d4 von GM Lubomir Ftacnik (Slawisch mit 4...La6) und IM Andrew Martin (1.d4 g6, 2.c4 Lg7 3.Sc3 c5 4.d5 Lxc3+), die beide im Fritz-Trainer-Format vorliegen. Stellvertretend für die insgesamt 13 Eröffnungsartikel skizziert Müller zudem GM Mihail Marins Vorschlag zur Bekämpfung der Berliner Verteidigung in der Spanischen Partie und Alexey Kuzmins Beitrag zum Marschall-Gambit in der Slawischen Verteidigung (4.e4).

 

Dorian Rogozenko lässt die großen Turniere der letzten Wochen wieder in zwei Einleitungsvideos zu dieser DVD Revue passieren. Das erste davon widmet sich voll und ganz den Highlights des "Grand Slam"-Turnieres in Sofia. Ausführlich erklärt er zwei Gewinnpartien Ivanchuks und führt dabei exemplarisch jene Qualitäten vor, die der Ukrainer so eindrucksvoll in diesem Turnier unter Beweis zu stellen vermochte: So steht die Partie Ivanchuk - Cheparinov stellvertretend für Ivanchuks überragendes Stellungsverständnis. Und Ivanchuk - Bu Xiangzhi ist ein eklatanter Beweis dafür, wie wertvoll umfassendes Eröffnungswissen auch auf höchstem Niveau sein kann. Darüber hinaus nimmt Rogozenko in seinem Video die Partien Topalov - Bu Xiangzhi, Radjabov - Bu Xiangzhi und die Schlussrundenpartie Topalov - Radjabov mit einem sehenswerten Damenopfer des Aserbaidschaners unter die Lupe.

Das zweite Einleitungsvideo beginnt mit einem Rückblick auf die Europäische Einzelmeisterschaft in Plovdiv. Rogozenko hat sich aus der Vielzahl sehenswerter Partien eine glanzvolle Angriffspartie Sutovskys und zwei Siege des neuen Europameisters Sergei Tiviakov herausgespickt. Vom FIDE-Grand-Prix in Baku erläutert Rogozenko die starken Eröffnungsneuerungen, mit denen die Überraschungssieger Wang Yue und Vugar Gashimov jeweils ihre Partien gegen Peter Svidler gewinnen konnten. Den Abschluss bildet ein eindrucksvolles Doppelturmopfer in der Partie Gelfand - Alekseev von der Russischen Mannschaftsmeisterschaft in Sotschi.

 

Russische Mannschaftsmeisterschaft Sotschi

Anders als beispielsweise die Schachbundesliga wird die Russische Mannschaftsmeisterschaft traditionell als geschlossenes Turnier mit 12 Teams ausgetragen. Traditionell hoch war auch dieses Jahr wieder die Beteiligung der Spitzenspieler, wie schon der Blick auf die Startliste des diesjährigen Siegers "Ural" klarmacht: Die Elo-Zahlen von Radjabov, Shirov, Kamsky, Grischuk, Malakhov, Akopian, Dreev und Motylev weisen einen Schnitt von über 2700 auf. Alle Partien inkl. der Mannschaftsinformation, die das Erzeugen einer Tabelle erlaubt (im Turnierindex) finden Sie über Aktuelle Turnier. Zudem hat Alexei Shirov seinen Sieg gegen den jungen Russen Dmitry Andreikin im Fritztrainer-Format unter die Lupe genommen. Klicken Sie hier oder auf das Bild rechts, um Shirovs 30-minütige Videoanalyse dieser Partie zu starten.

 


Shirov - Andreikin

Ein weiterer Gewinner von Sotschi, der allerdings nicht zur Siegermannschaft gehörte, war Sergei Movsesian. Seit Monaten spielt der Slowake in bestechender Form. Dank seiner starken Resultate bei der Russischen Meisterschaft sowie bei der Europameisterschaft (s.u.) wird seine ELO-Zahl im Juli erstmals die 2700er-Marke überspringen. Angesichts der Tatsache, dass Movsesian sich diese Zahl weitgehend in offenen Turnieren gegen "normale" Großmeister erarbeiten musste und nicht in elitären Einladungsturnieren kultivieren konnte, verdient diese Leistung besondere Anerkennung.

Auf dieser DVD kommentiert Movsesian je zwei seiner Partien aus Sotschi und von der EM in Plovdiv (weiter unten). Gegen Popov gelang es Movsesian, die Achillesferse der Sweschnikov-Verteidigung - den rückständigen Bauern auf d6 - mustergültig bloßzulegen. Nach dem bislang kaum gespielten 20.Sf5 (s. Diagramm) und nachfolgendem Abtausch des schwarzen Läufers gegen den weißen Springer behält Weiß leichten aber dauerhaften positionellen Vorteil und kann in der Folge ohne Risiko auf Sieg spielen. Movsesian erläutert die entscheidenden Momente dieser Partie und demonstriert eindrucksvoll, wie man spielen muss, um einen derartigen positionellen Vorteil in den vollen Punkt umzuwandeln. Ein echtes Highlight für alle 1.e4-Spieler, die sich am Sweschnikow schon oft die Zähne ausgebissen haben! Klicken Sie hier oder unter dem Diagramm, um die Partien mit den Kommentaren Movsesians nachzuspielen.

 


Movsesian,S - Popov,I
Stellung nach 20.Sf5


Movsesian,S - Nepomniachtchi,I
Stellung nach 15.Tad1

Ungleich härter kämpfen musste Movsesian hingegen zwei Runden darauf gegen Nepomiachtchi. In einem Najdorf-Sizilianer mit 6.Sf3 und anschließender kurzer Rochade auf beiden Seiten ging es bald im Zentrum zur Sache. Movsesians Analyse zufolge hätte Nepomiachtchi in der Diagrammstellung ein vermutlich vorteilhaftes Endspiel mit ungleichen Materialverhältnissen herbeiführen können. Sehen Sie, wie Schwarz hier hätte fortsetzen sollen? In der Partie hingegen führte 15...Lxd5 16.cxd5 Sb4 bereits zu deutlichem weißen Vorteil. Movsesian beweist in dieser Partie hervorragende Technik. Dank des materiellen Vorteils von zwei Leichtfiguren gegen Turm und seines dominanten Figurenspiels kann Weiß gefahrlos einen gegnerischen Bauern nach dem anderen einstreichen. In seiner Analyse erläutert der slowakische Großmeister die feinen Kniffe, mit denen er jegliches schwarze Gegenspiel bereits im Ansatz erstickte.

FIDE Grand-Prix Baku


Gashimov,V - Svidler,P
Stellung nach 9.a4

Der breiten Masse der Schachfreunde sind die Namen Vugar Gashimov und Wang Yue bis vor kurzem vermutlich noch ziemlich fremd gewesen. Seit ihrem gemeinsamen Sieg beim FIDE-Grand-Prix in Baku, dem ersten von sechs Grand-Prixs, über die sich die Besten für die nächste FIDE-WM qualifizieren, ist das schon etwas anders. Und wer weiß, wie weit sie es im Feld der Weltspitze noch bringen werden? Der in Baku gebürtige Vugar Gashimov kommentiert zwei seiner sehenswerten Gewinnpartien. Seinen ersten Sieg läutete er gegen Svidler mit einer Neuerung im neunten Zug ein. Der Zug 9.a4 (s. Diagramm) ist Gashimovs Analysen zufolge so durchschlagend, dass Schwarz auf absehbare Zeit die Hände von diesem Aufbau lassen wird. Tatsächlich gelang es Svidler die ganze Partie hinüber nicht, seine Figuren richtig ins Spiel zu bringen. Der Vorstoß 21.f5, gefolgt vom späteren Turmschwenk auf die dritte Reihe - ein Motiv, das in einigen Highlights dieser Ausgabe wiederkehrt - leitete den kurzen aber finalen Angriff auf die schwarze Königsstellung ein.

In der Vorschlussrunde traf Gashimov auf den ebenfalls noch aussichtsreich platzierten Alexander Grischuk und hatte mit Weiß die Chance, sich mit einem Sieg an die Spitze des Feldes zu setzen. Auch in dieser Partie war es dem Aseri vergönnt, mit einer gewichtigen Neuerung die Weichen auf Sieg zu stellen. Grischuk hatte zum zweiten Mal in diesem Turnier zu derselben Variante in der Spanischen Steinitz-Verteidigung gegriffen und lief geradewegs in die häusliche Vorbereitung seines Gegners hinein. In der Diagrammstellung zog Weiß bislang gewöhnlich 12.c4. Gashimovs Neuerung 12.Dd3 hingegen erlaubt einen Aufbau ohne den seiner Auffassung nach überflüssigen Zug c4. Die Partie verlief anschließend ganz im Sinne von Gashimovs Vorbereitung, und nur wenige Züge später stand Schwarz bereits mit dem Rücken zur Wand. In seiner Analyse untersucht Gashimov unter anderem alternative Antworten auf seine Neuerung und zeigt die eine oder andere taktische Wendung, die es am Ende der Partie zu beachten gab.

 


Gashimov,V - Grischuk,A
Stellung vor 12.Dd3


Eine weitere Neuerung brachte die Partie Karjakin,S - Inarkiev,E. Allerdings vermochte es Sergey Karjakins 21.Ld3 nicht, das ultrasolide Spanische Tschigorin-System ernsthaft in Gefahr zu bringen. In seiner Analyse konstatiert der junge Ukrainer daher auch, dass sich die Stellung nur wenige Züge später vollkommen im Gleichgewicht befand. Den Unterschied in dieser Partie machte die Behandlung des Mittelspiels. Hier gelang es Karjakin durch das bessere Figurenspiel nach und nach Druck auf den schwarzen b-Bauern aufzubauen und konstant hoch zu halten. Mit Erfolg, denn sein Gegner ließ sich beim letzten Zug vor der Zeitkontrolle zum entscheidenden Fehler zu verleiten.

Europameisterschaft Plovdiv

Sergei Tiviakovs Strategie für die Europameisterschaft 2008 ist voll und ganz aufgegangen. Angesichts der - wie er schreibt - katastrophalen Spielbedingungen bemühte er sich um schnelles und einfaches Schach, um Ermüdungserscheinungen vorzubeugen und keine unnötige Energie zu verschwenden. Mit Schwarz sollte lediglich Remis gesichert und mit Weiß die ganzen Punkte eingefahren werden. Exemplarisch hierfür hat er je eine Weiß- und eine Schwarzpartie kommentiert. In Kozul,Z - Tiviakov,S lief zunächst alles nach Plan, nach 10 Zügen war das Gleichgewicht der Kräfte hergestellt, doch dann überzog Kozul gar die Stellung und fand sich nach einigen Abwicklungen in einem klar schlechteren Endspiel wieder. Klicken Sie auf einen der Links, um diese Partien mit den Kommentaren des neuen Europameisters nachzuspielen.

Die Schlussrunde brachte die Entscheidung in Plovdiv. Von acht punktgleichen Spielern war Tiviakov der einzige, der seine Partie gewinnen konnte. Der ausgewiesene Alapin-Experte griff im Sizilianer auch deshalb wieder einmal zu 2.c3, weil er hier Schwachpunkte in Sutovskys Repertoire ausgemacht hatte. So bemängelt der Wahlniederländer in der Analyse dieser Partie bereits Sutovskys Replik 2...d5 als minderwertig, da dieser Zug in jedem Fall zu einer für Weiß leicht vorteilhaften Stellung führe. Nicht anders kam es in der Partie. Sutovsky gelang es nicht, die Stellungsprobleme in der Variante mit 10.Lg5 korrekt zu behandeln. Auf den ersten Blick hat Weiß in der Diagrammstellung nach 15.Tad1 nur minimalen Vorteil. Tiviakov hingegen sieht schon hier das durch Td3-g3 nebst Dg4 und evtl. Le5 drohende Unheil eines durchschlagenden Königsangriffs voraus. Klicken Sie auf den Link unter dem Diagramm, und lassen Sie sich diese Meisterpartie Zug für Zug erklären.

 


Tiviakov,S - Sutovsky,E
Stellung nach 15.Tad1


Movsesian,S - Grigoriants,S
Stellung nach 20.Lh3

ELO-stärkster Spieler bei der EM war Sergei Movsesian mit 2695 Punkten. Dass ihm hieraus angesichts der enormen Dichte des Feldes und des mit vielen Zufällen behafteten Modus keine Favoritenrolle erwuchs, liegt auf der Hand. Dennoch gelang es ihm, sich mit 8 Punkten und einer ELO-Performance von 2774 den geteilten 2. Platz und im Tiebreak den Titel des Vizemeisters zu sichern. Grundlage für die gute Platzierung waren die Siege in den Runden 5 und 6. Beide Partien kommentiert der 30-jährige Slowake auf der DVD. In der Partie Movsesian - Grigoriants entwickelte sich aus der Vorstoßvariante der Caro-Kann-Verteidigung nach scharfem Spiel von Schwarz (8...g5) rasch ein heftiger Kampf, in dem sich Movsesians Turmmanöver Ta1-d1-d3-g3 als partieentscheidend erwies. In der Brettstellung öffnet das unkonventionelle 20.Lh3 die g-Linie für den Turm und hält zugleich das wichtige Feld f5 unter Kontrolle. Movsesians Analyse dieser Partie illustriert eindrucksvoll, wie man einen materiellen Vorteil durch kontrolliertes aber aktives Spiel nach Hause bringen kann.

Auch in der folgenden Partie signalisierte sein Gegner mit dem frühzeitigen Vorstoß g7-g5 - hier allerdings in der Italienischen Partie -, sich keineswegs verstecken zu wollen. Movsesian bewertet diese scharfe Neuerung als zu optimistisch und erklärt auf der DVD das Konzept, mit Hilfe dessen ihm in der Partie die Widerlegung der schwarzen Spielweise gelang. In der Brettstellung zwingt Weiß seinen Gegner mit dem Zug a2-a4 dazu, entweder den schwarzfeldrigen Läufer abzutauschen - was ungünstig für ihn ist - oder mit dem Zug c7-c6 Schwächen im Zentrum zuzulassen - was angesichts des Entwicklungsnachteils ebenfalls riskant ist. Werle entschied sich in der Partie für letzteres und schien vorerst die richtigen Verteidigungszüge gefunden zu haben. Doch das aus einer Reihe von Vereinfachungen im Zentrum resultierende Endspiel mit Turm- und Läuferpaar auf beiden Seiten erwies sich schnell als klar vorteilhaft für Weiß.

 


Movsesian,S - Werle,J
Stellung nach 10.a4

MTel Masters Sofia

Beim dritten "Grand-Slam" Turnier des Jahres setzte sich mit Vassily Ivanchuk deutlich und in manchen Partien sogar erdrückend souverän der Senior im Felde durch. Nach einem lupenreinen Durchmarsch in der Hinrunde - beginnend mit Schwarzsiegen über Radjabov und Topalov - und einer ruhigeren Rückrunde bedeuteten 8 aus 10 am Ende einen komfortablen Vorsprung. Ebenso viele Partien Ivanchuks sind auf dieser DVD ausführlich analysiert worden, u.a. von den GMs und Eröffnungsexperten Postny und Krasenkow). Alle Partien sowie einen Turnierbericht können Sie über den Link MTel Sofia 2008 in der linken Spalte aufrufen.

Nicht zufrieden mit seinen Resultaten zur Halbzeit war Jungstar Teimur Radjabov. Seine Glanzpartie gegen Bu Xiangzhi in Runde 7 bedeutete für ihn den ersten Sieg im Turnier und den Wendepunkt zu einem am Ende versöhnlichen Ausklang mit +1. Der junge Chinese hatte Slawisch mit 4...a6 und Radjabov die geschlossene Fortsetzung mit c4-c5 gewählt. Hieraus entwickelte sich eine Stonewallartige Stellung, in der es dem Aserbaidschaner mittels des instruktiven Manövers Lc1-d2-e1-h4-g5 gelang, seinen Gegner vor ernsthafte Probleme zu stellen. Nach dem sehenswerten 24.Tf7 (si. Diagramm) steht Weiß bereits auf Gewinn. In seiner Analyse führt Radjabov die verschiedenen Abwicklungen aus, zwischen denen sich Schwarz hier entscheiden muss. In der Partie wählte Bu Xiangzhi das Endspiel mit Turm und Läufer gegen Dame, offenbar in der Hoffnung durch komplette Blockade der Stellung das Remis erzwingen zu können. Doch Radjabov nutze das letzte verbliebene Schlupfloch am Damenflügel, um mit seinem König entscheidend in die schwarze Stellung einzudringen.

 


Radjabov,T - Bu Xiangzhi
Stellung nach 24.Tf7

Eröffnungstraining en passant

Wer sich mit Schwarz gegen 1.d4 auf Slawisch einlässt, dem bietet sich mit dem modernen 4...Le6 eine Überraschungswaffe, gegen die bis heute keine echte Widerlegung gefunden wurde. Im vergangenen Jahr haben selbst Spieler wie Movsesian, Dreev oder Bu Xiangzhi diese Variante erfolgreich ausprobiert. Der slowakische GM Lubomir Ftacnik stellt Ihnen im Video die mit dem Zug 4...Le6 verbundenen Ideen vor und gibt einen Überblick über die Entwicklung sowie den aktuellen Stand der Theorie. Sein Fazit: Ein nach wie vor spannendes System, in dem für beide Seiten noch viel zu entdecken ist und das als Überraschungswaffe allemal taugt.

 

(in deutscher Sprache)

Andrew Martin startet auf dieser DVD unter dem Titel "Structural Damage" eine Reihe von Videobeiträgen, in denen er schlagkräftige kleine Systeme vorstellt, die sich hervorragend zum Aufbau oder zur Erweiterung des eigenen Repertoires eignen. Den Anfang macht eines der radikalsten Systeme gegen 1.d4, und zwar die Zugfolge 1...g6 2.c4 Lg7 3.Sc3 c5 4.d5 und nun 4...Lxc3. In einem halbstündigen Video präsentiert der Internationale Meister zunächst den schwarzen Idealaufbau, geht dann zur Betrachtung der kritischen Züge und Varianten über und erläutert typische Partieverläufe anhand von Partien auch aus seiner eigenen Praxis.

Weitere Trainingslektionen, u.a. im Video-Format, warten auf Sie in den verschiedenen Rubriken, z.B. in Dr. Karsten Müllers Endspiel-Rubrik, in der Falle von Rainer Knaak oder der Taktikrubrik von Oliver Reeh (siehe die Linkleiste am Anfang dieser Seite). Die Kolumne Neuheiten bietet Ihnen mit weiteren Videosequenzen im Chess Media Format vorab Einblicke in kommende Trainings-DVDs.

Eröffnungs-Übersichten

Marin: Benoni A77

1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e6 4.Sc3 exd5 5.cxd5 d6 6.e4 g6 7.Sf3 Lg7 8.Le2 0-0 9.0-0 Te8 10.Sd2 a6 11.a4 Sbd7

Hier untersucht der Autor die Varianten ohne frühes f4, typisch ist z.B. ein flexibler Zug wie 12.Ta3, wonach Schwarz den Druck auf e4 noch erhöht, etwa mit 12…Tb8 13.a5 De7. Der Verzicht auf f4 bringt Vorteile – für beide Seiten.

Karolyi: Holländisch A87

1.d4 f5 2.c4 Sf6 3.Sf3 g6 4.g3 Lg7 5.Lg2 0-0 6.0-0 d6 7.Sc3 De8 8. d5 Sa6 9.Tb1 Ld7 10.b4 c6 11.dxc6 bxc6

Dieses wichtige Abspiel der mit 7…De8 eingeleiteten Variante muss Schwarz scheinbar überhaupt nicht fürchten. So dürfte es für Weiß schwierig werden, überhaupt einen Vorteil gegen das Leningrader System zu erlangen.

Prié: Skandinavisch B01

1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 4.d4 Sf6 5.Sf3 Lf5 6.Lc4 c6 7.Ld2 e6 8.Sd5 Dd8 9.Sxf6+ gxf6

Das ist ein Beitrag auf hohem theoretischen Niveau zu einer der wichtigsten Varianten der Skandinavischen Verteidigung. Der Autor bringt dabei viel Analysearbeit und eigene praktische Erfahrung mit ein.

Ftacnik: Philidor-Verteidigung C41

1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5 4.Sf3 Sbd7 5.Lc4 Le7 6.0-0 0-0 7.Te1 c6 8.a4 b6

Die neuesten Erkenntnisse zur geschlossenen Variante der Philidor-Verteidigung belegen, dass Weiß auf 8…b6 doch nicht so gut 9.d5 spielen kann. Der Autor untersucht auch Alternativen wie 9.b3 und 9.La2.

Langrock: Philidor-Verteidigung C41

1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.d4 exd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Le7 6.Lf4 0-0 7.Dd2

Der Autor will mit diesem aggressiven System Vorteil für Weiß nachweisen. Das ist ihm gut gelungen und nun ist es an Schwarz zu zeigen, dass er sich dennoch behaupten kann.

Kritz: Ponziani-Eröffnung C44

1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5 4.Sf3 Sbd7 5.Lc4 Le7 6.0-0 0-0 7.Te1 c6 8.a4

Es ist schwer, gegen 1…e5 einen Vorteil herauszuholen, also kann man es auch mit Ponziani versuchen, so ungefähr lautet die Philosophie des Autors, der ein Repertoire für Weiß entwirft. Dennoch sollte man Ponziani nur als Überraschungswaffe einsetzen.

Postny: Spanisch C63

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 f5 4.Sc3 fxe4 5.Sxe4 Sf6 6.Sxf6+ Dxf6

Diese Variante des Jänisch-Gambits läuft nach 7.De2 Le7 8.Lxc6 dxc6 9.Sxe5 auf ein echtes Gambit hinaus. Schwarz besitzt dort ganz sicher Kompensation für den Bauern, die Frage ist nur, wie viel?

Marin: Spanisch C67

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 Sf6 4.0-0 Sxe4 5.Te1 Sd6 6.Sxe5 Le7 7.Ld3 0-0 8.Sc3 Sxe5 9.Txe5

Hiermit stellt Ihnen Mihail Marin ein weiteres alternatives System zur Berliner Verteidigung vor. Mit 5.Te1 statt 5.d4 geht Weiß ein viel kleineres Risiko ein, gegen einen gut vorbereiteten Gegner kann er aber auch kaum auf Vorteil rechnen.

Ftacnik: Slawisch D11

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 dxc4 4.e3 Le6!?

Mit dieser provokanten Variante hofft Schwarz nicht nur auf 5.Sg5? (5…Da5+). Auch in den anderen Abspielen wird der Anziehende frühzeitig aus gewohnte Bahnen geworfen und der weiße Aufbau erschwert.

Grivas: Ang. Damengambit D23

1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.Sf3 Sf6 4.Sa3!?



Diesen Artikel haben wir am Sonntag, 03. August 2008 in unseren Katalog aufgenommen.
   
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